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Alarme & Benachrichtigungen

LCM wertet periodisch Monitoring-Kriterien aus und benachrichtigt bei Überschreitung über konfigurierbare Kanäle. Die Auswertung läuft als system-globaler Zeitplan - fest alle 30 Minuten, das Intervall ist wie die übrigen Kernfunktionen nicht einstellbar.

Unter Einstellungen → Benachrichtigungen legst du Kanäle an. Ein Kanal wird von Alarm-Regeln referenziert und ist gegen Löschen geschützt, solange ihn eine Regel nutzt.

  • E-Mail (SMTP) - eigener Postausgang je Kanal (Host, Port, Absender, Empfänger; Passwort verschlüsselt gespeichert).
  • Webhook - HTTPS-POST an eine Ziel-URL, wahlweise als generisches JSON (für eigene Automationen) oder als Microsoft-Teams-Format (Adaptive Card). Für Teams legst du dort einen Workflow „Bei Empfang einer Webhookanforderung” an und trägst dessen URL in LCM ein. Die URL ist ein Geheimnis - sie wird verschlüsselt gespeichert und nie wieder angezeigt; HTTPS ist Pflicht (HTTP nur für localhost-Tests).
  • Standard-E-Mail (System) - der verwaltete Kanal des Standard-E-Mail-Versands: keine eigene Konfiguration, Empfänger sind die dort hinterlegten Admin-Adressen. Ein-/ausschalten unter Einstellungen → Allgemein.

Ein öffentlicher Dienst wie Teams bringt sein Zertifikat mit - bei einem eigenen Empfänger im internen Netz muss man es selbst stellen. Zwei Punkte sind dabei nicht verhandelbar:

  • HTTPS ist Pflicht. http:// wird nur für localhost, 127.0.0.1 und ::1 akzeptiert; ein Ziel im LAN muss also https:// sein.
  • Das Zertifikat wird geprüft. LCM schaltet die Prüfung nicht ab. Ein selbstsigniertes Zertifikat, dem der LCM-Host nicht vertraut, führt zum Fehlschlag - auch wenn der Empfänger erreichbar ist.

Für einen eigenen Empfänger heißt das: ein Zertifikat ausstellen, das die IP-Adresse (oder den Namen) als SAN führt, und die ausstellende CA auf dem LCM-Host hinterlegen - nicht auf dem Empfänger.

Terminal-Fenster
# Auf dem LCM-Host: eigene CA als vertrauenswürdig eintragen
sudo cp meine-ca.crt /usr/local/share/ca-certificates/
sudo update-ca-certificates
sudo systemctl restart lcm

Der Neustart ist nötig, weil der Dienst den Zertifikatsspeicher beim Start liest. Gegenprobe vor dem Anlegen des Kanals - schlägt sie fehl, scheitert auch der Webhook:

Terminal-Fenster
curl https://<empfänger>:<port>/ # ohne -k: muss ohne Zertifikatsfehler durchlaufen

Unabhängig von den Alarm-Kanälen gibt es unter Einstellungen → Allgemein den Standard-E-Mail-Versand: den System-Postausgang für transaktionale Mails - Passwort-Reset-Links, Einladungslinks für neue Benutzer und Hinweise an die Admin-Empfänger. Eine Checkbox bietet ihn zusätzlich als Benachrichtigungskanal an (siehe oben); der „Testnachricht senden”-Button prüft die gespeicherte Konfiguration.

Damit Benutzer den Self-Service-Reset („Passwort vergessen?” auf der Login-Seite) nutzen können, brauchen sie eine E-Mail-Adresse am Konto. Der Reset-Link ist 1 Stunde gültig und einmal verwendbar; ob eine Adresse existiert, verrät der Endpunkt nicht (kein User-Enumeration), und er ist pro Client-IP gedrosselt.

Unter Einstellungen → Alarme. Jede Regel bindet ein Kriterium an einen Kanal und optional an Servergruppen (ohne Auswahl gilt sie für alle Server) - so lassen sich Schwellen je Infrastruktur unterschiedlich streng setzen. Es lassen sich mehrere Gruppen zugleich wählen; ein Server in mehreren gewählten Gruppen wird trotzdem nur einmal ausgewertet.

TypAuslöser
Festplatten-KapazitätBelegung erreicht den prozentualen Schwellenwert
Speicher-Prognosedie lineare Hochrechnung überschreitet das Limit innerhalb der Frist
Security/CVECVE-Funde ab der konfigurierten Mindest-Schwere
Überfällige UpdatesZahl offener Paket-Updates übersteigt den Schwellenwert
Heartbeatletzter Server-Kontakt liegt länger als n Stunden zurück
Neustart erforderlichdas System fordert nach einem Update selbst einen Neustart an (z. B. neuer Kernel) - reines Ja/Nein-Kriterium ohne Schwellenwert
APT-Cache nicht erreichbarder zentrale apt-cacher-ng antwortet nicht. Greift nur auf dem LCM-Host, auf dem der Dienst läuft, und bleibt stumm, solange unter Einstellungen → APT-Cache keine URL hinterlegt ist
Deep Scander letzte Deep Scan hat Warnungen oder kritische Befunde ergeben (Härtung/Fehlkonfiguration oder eine Kernel-Reboot-Lücke) - reines Ja/Nein-Kriterium ohne Schwellenwert
CrowdSec-LAPI nicht erreichbardie zentrale CrowdSec-LAPI antwortet nicht oder lehnt den hinterlegten Maschinen-Login ab. Greift nur auf dem LCM-Host und bleibt stumm, solange unter Einstellungen → CrowdSec keine LAPI konfiguriert ist
CVE-Datenbank veraltetdie Schwachstellen-Datenbank des CVE-Scanners ist älter als 48 Stunden oder wurde nie geladen. Wichtig, weil eine alte Datenbank keinen Fehler meldet, sondern veraltete Ergebnisse liefert - nach außen sieht das wie „keine Sicherheitslücken” aus. Greift nur auf dem LCM-Host
System-Backup überfälligautomatische Backups sind aktiviert, aber das jüngste Backup ist älter als das Doppelte des Intervalls - oder es existiert noch gar keines. Misst bewusst das Ergebnis statt einzelner Fehlversuche: egal, auf welchem Weg das Backup ausblieb, gemeldet wird der fehlende Stand. Greift nur auf dem LCM-Host

Alle Beispiele werden unter Einstellungen → Alarme als Regel angelegt. Wo kein Schwellenwert angegeben ist, greift der eingebaute Standard.

  • Festplatten-Kapazität - „Root-Partition wird eng”: Schwellenwert 85 %, Gruppe Datenbanken, Schwere warning. Ohne Schwellenwert gilt der Default 90 %.
  • Speicher-Prognose - „Volläuft in Kürze”: Frist 7 Tage, alle Server, Schwere warning. Die lineare Hochrechnung aus dem Speicher-Verlauf meldet, bevor die Platte tatsächlich voll ist (Default-Frist: 10 Tage).
  • Security/CVE - „Kritische Lücken sofort”: Mindest-Schwere critical, alle Server, Schwere critical. Eine zweite, lockerere Regel mit Mindest-Schwere high nur für die Gruppe Produktion (Default: high).
  • Überfällige Updates - „Patch-Rückstand”: erlaubte Zahl offener Updates 0 (jedes ausstehende Update meldet), Gruppe Produktion. Für Staging großzügiger, z. B. 20.
  • Heartbeat - „Server meldet sich nicht”: Timeout 6 Stunden, alle Server, Schwere critical (Default: 24 Stunden).
  • Neustart erforderlich - „Kernel wartet auf Reboot”: kein Schwellenwert, Gruppe Produktion, Schwere warning. Löst aus, sobald der Server nach einem Update selbst einen Neustart anfordert.
  • APT-Cache nicht erreichbar - kein Schwellenwert; nur sinnvoll, wenn der LCM-Host apt-cacher-ng betreibt und unter Einstellungen → APT-Cache eine URL hinterlegt ist.
  • Deep Scan - „Härtungsbefunde melden”: kein Schwellenwert, Schwere warning. Löst aus, sobald ein Deep Scan Warnungen oder kritische Befunde liefert.

Jede Regel hat eine Schwere und einen Cooldown: Der jüngste Alarm je (Regel, Server) entprellt weitere Benachrichtigungen, damit kein Alarm-Spam entsteht. 0 bedeutet dabei nicht „keine Sperre”, sondern den eingebauten Standard von 360 Minuten (6 h) - eine kürzere Sperre muss ausdrücklich eingetragen werden (Minimum 1). Ausgelöste Alarme landen in der Alarm-Historie (inkl. Versand-Status); sie wird nach der Log-Aufbewahrungsfrist bereinigt.

Die Alarm-Auswertung nutzt dieselben Daten wie das Monitoring - u. a. die CVE-Funde aus dem CVE-Scan und den Speicher-Verlauf. Es ist also keine doppelte Erfassung nötig; Alarme sind die Benachrichtigungsschicht über dem vorhandenen Bestand.